Diedenbergen als Treffpunkt historischer Landmaschinen
Es gab also auch neben Traktoren viel zu sehen. Auch einige Oldtimer mischten sich unter die historischen Landmaschinen, sehr zur Freude des Publikums. Besonderen Spaß für Kinder, bot der große Strohhaufen. Die gestapelten Ballen luden zum Klettern, Hüpfen und Hineinfallenlassen ein. „Da lässt man jede Hüpfburg links liegen“, schmunzelt Respondek.
Und das Stroh stellte sich noch als große Hilfe heraus. „Zuerst hatten wir super Wetter, super Zuschauer, superviele Maschinen - ein Topsamstag, wie wir ihn so noch nicht hatten“, sagt André Seuberth: „Alles war richtig stimmig bis halb sechs. Dann ist alles ins Wasser gefallen.“ Nach dem riesigen Schutt, der den Platz aufweichte, improvisierte der Verein und streute Wege aus Stroh.
„Als der Regen kam, haben alle schnell mit angepackt, sogar die Zuschauer. Das finde ich einfach toll“, freut sich der Erste Vorsitzende Respondek.
Übernachtung mit Frühstück
Zahlreiche Traktorenbesitzer nahmen sogar eine Tagestour in Kauf, um mit ihren Treckern zum Treffen zu kommen. „Viele kommen von weit her, allerdings in Stunden betrachtet, nicht in Kilometern“, schmunzelt Seuberth und erklärt: „Alleine aus Hanau braucht man mit dem Traktor bestimmt zwei Stunden.“ Um nicht am gleichen Tag wieder zurückfahren zu müssen, übernachteten viele Traktorfreunde im Fahrerlager. In den heimeligen Schäferhäuschen, die mit dem Traktor gezogen wurden, wurde es nachts gemütlich. Ob es zu Schäferstündchen im Schäferhäuschen kam, ist unbekannt. Morgens erwartete die Übernachtungsgäste in jedem Fall ein stärkendes Frühstück. So kommen die Gäste sicherlich auch nächstes Jahr wieder gerne zum Traktortreffen in Diedenbergen.
Höchster Kreisblatt 08.08.2011
Ungewöhnliche Liebe
„In Diedenbergen gibt es die Tendenz zum Zweittraktor“
Lindner, Deutz oder McCormick: Diese Namen lassen die Herzen der Treckerfreunde höher schlagen. Am Wochenende kamen sie von weit her auf die Speedway-Bahn.
Von Juliane Schneider
Liebhaberstück: Eckardt Mackeldey aus Diedenbergen mit seinem geliebten MAN B 18. Foto: Nietner"
Papa, wann ist endlich mein Traktorfest?" Seit drei Wochen schon freut sich der kleine Jannis (3) riesig auf die kraftstrotzenden Maschinen, die alljährlich auf Diedenbergens Speedway-Bahn zu bewundern sind, ein Höhepunkt für groß und klein. "Er darf dort sogar eine Runde mitfahren", erklärt Vater Michael Müller die Aufregung seines Sohnes. Am Samstag hatte das Warten endlich ein Ende, denn da rollten sie an, die Schlepper mit Namen, die in der Liebhaberszene die Herzen höher schlagen lassen: die Modelle von Lindner, Deutz, Eicher oder McCormick. Sogar ein Bergtraktor ist dabei, ein flaches Gefährt, das Steigungen von bis zu 40 Grad bewältigen kann.
Mit der Muttermilch
Eckardt Mackeldey aus Diedenbergen hat wieder seinen geliebten MAN B 18 mitgebracht. 1951 schon wurde er gebaut. "Die Liebe zu Traktoren habe ich wohl mit der Muttermilch aufgesogen", sagt der 58-Jährige, während er an einem der Stände eine Weinschorle trinkt. Seinen Hut zieren kleine Traktoren. "Schon in meinem Geburtsort in der Pfalz habe ich sie bewundert." Eigentlich würde er jetzt neben seinem grün-roten Gefährt stehen, um den Technikfans Rede und Antwort zu stehen, aber das starke Unwetter hat alle Besucher in Zelte und Unterstände gelockt. "Naja, vielleicht wird es morgen besser", hofft Mackeldey. Das große Treffen mit meist Tausenden von Besuchern dauert wie immer zwei Tage. Für ihn selbst ist ohnehin immer Traktorsaison, denn mittwochs treffen sich die Freunde des "Vereins Historische Landmaschinen Diedenbergen" in ihren Vereinsräumen und basteln an ihren Traktoren. "Da bringt jeder mal was mit, man berät sich und tauscht Ersatzteile aus." Eine feste Instanz im Leben des Kraftfahrzeugmeisters. Seinen ersten eigenen Traktor habe er sich vor acht Jahren gekauft, einen Güldner. "Den habe ich komplett zerlegt und restauriert." Vor vier Jahren dann der MAN. "Das ist der kleinste, den das Unternehmen je gebaut hat." 18 PS habe er. Fünfmal ist er im vergangenen Jahr zu ähnlichen Festen geknattert, die weiteste Fahrt sei die zum Mühlenfest nach Mühlheim gewesen. "Vier Stunden habe ich gebraucht." Auch zu Hause sei ihm die Maschine schon zu Diensten gewesen. "Ich habe damit im Winter schon Fahrzeuge aus dem Graben gezogen."
Auch Traktorfreund Günther Hartmann (63) aus Wiesbaden nutzt seinen Unimog für ganz handfeste Dinge: "Man kann damit wunderbar Sand und Steine für Bauarbeiten transportieren." Außerdem hole er für seinen Kamin Holz aus dem Wald. Seinen Schlepper hat er am Samstag nicht dabei, schaut sich nur um und genießt das festliche Treiben wie den Krämermarkt mit seinem alten Handwerk und das Hüpfen der Kinder in den Strohballen, im Festzelt spielen abends noch die "Rosenkippler" auf. Beliebt auch der alljährliche "Laufsteg", auf dem die Gäste ihre Maschinen präsentieren. Der musste durch den starken Regen allerdings verschoben werden. Das Diedenbergener Fest gefalle ihm besonders gut, sagt der Gast aus Wiesbaden. "Der Platz ist groß und gepflegt, es ist alles prima organisiert, und die Leute vor Ort sind sehr engagiert." Daher wird er auch im nächsten Jahr zum zehnten Trekkertreffen wiederkommen. Das wird ganz sicher wieder stattfinden, denn – so verrät Eckardt Mackeldey: "In Diedenbergen gibt es schon die Tendenz zum Zweittraktor." Gut nur, dass das Gelände an der Speedwaybahn so geräumig ist.
